Titel

Freie Gewerkschaften

Zwischenüberschrift

Im Kampf um die Bewahrung der Weimarer Demokratie stehen die Freien Gewerkschaften an vorderster Stelle.

Text

Seit ihren Anfängen setzt sich die deutsche Arbeiterbewegung aus einem politischen Flügel und einem Gewerkschaftsflügel zusammen. Die SPD streitet für eine Demokratisierung des politischen Systems, die ihr nahestehenden Gewerkschaften für Verbesserungen in den Fabriken, wo noch um 1900 unmenschliche Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne an der Tagesordnung sind. Mit dem Namenszusatz "frei" wollen die SPD-nahen Gewerkschaften klarstellen, dass sie weder von den Fabrikherren noch von der Kirche abhängig sind. Im Kaiserreich ist gewerkschaftliches Engagement sehr riskant. In solidarischem Miteinander werden dennoch erste Erfolge errungen, die "Freien" wachsen zu einer mächtigen Bewegung mit vielen Millionen Mitgliedern heran. Nach der Revolution 1918/19 können sie zunächst viele ihrer Forderungen durchsetzen. Doch schon bald werden die Sozialreformen von den Arbeitgebern und der Regierung wieder aufgeweicht. Inflation und Massenarbeitslosigkeit schwächen die Gewerkschaften zusätzlich, immer mehr Menschen können sich die Beiträge nicht mehr leisten. Im Kampf um die Bewahrung der Weimarer Demokratie stehen die Freien Gewerkschaften an vorderster Stelle. 1920 wenden sie den Kapp-Putsch durch einen Generalstreik ab, zahllose ihrer Mitglieder sind im Reichsbanner und in der "Eisernen Front" aktiv. Nach dem Staatsstreich in Preußen 1932 und nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler Anfang 1933 warten viele von ihnen darauf, dass wieder zu einem Generalstreik aufgerufen wird. Doch die Gewerkschaftsführer haben Angst vor einem Bürgerkrieg. In der Hoffnung, ihre Organisationen retten zu können, sagen sie sich im März 1933 sogar von der SPD los und lassen sich am 1. Mai 1933 in die "Maifeiern" der NSDAP einspannen. Der Anpassungskurs zahlt sich aber nicht aus: Am 2. Mai 1933 werden die Gewerkschaftshäuser gestürmt und verwüstet, zahlreiche Funktionäre werden verhaftet. Während die meisten Gewerkschaftsmitglieder später der Deutschen Arbeitsfront beitreten, findet eine Minderheit den Mut zum Widerstand. (ah)