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Konzentrationslager Kislau

Mingolsheim

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Sechs Jahre lang – vom Frühjahr 1933 bis zum Frühjahr 1939 – dient Schloss Kislau bei Bruchsal als Konzentrationslager für badische Regime-Gegner. In zwei Schlafsälen werden im KZ Kislau bis zu 170 „Schutzhäftlinge“ gleichzeitig zusammengepfercht. Der Willkür ihrer Bewacher ausgesetzt, müssen sie in oft mehrjähriger Haft harte Zwangsarbeit leisten. Schon im Mai 1933 werden der ehemalige badische Staatspräsident Adam Remmele und sechs weitere bekannte Sozialdemokraten im Rahmen einer „Schaufahrt“ vom Karlsruher Bezirksgefängnis nach Kislau verschleppt. Während sechs von ihnen nach bis zu einjähriger Haft wieder freikommen, wird Remmeles politischer Weggefährte Ludwig Marum von SA- und SS-Männern in Kislau ermordet. Im Zuge der Auflösung des KZs Ankenbuck im März 1934 fällt Kislau die Rolle des einzigen Konzentrationslagers in und für Baden zu. Seit 1935 werden allerdings vor allem mehr und mehr kommunistische Häftlinge von dort in andere KZs wie Dachau, Buchenwald oder Mauthausen „verschubt“. Bis zur Auflösung des KZs Kislau 1939 sind mehr als 700 Regime-Gegner dort gedemütigt und ausgebeutet worden. (ah)

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