Titel

Käthe Vordtriede

1891–1964

Zwischenüberschrift

Die Freiburger Journalistin gehört zu den aufmerksamsten Beobachtern der politischen Entwicklung in Nazi-Deutschland.

Text

Nach der Höheren Töchterschule besucht Käthe Blumenthal in Bielefeld das Lehrerinnenseminar. Schon damals beginnt sie sich für Politik zu interessieren. Sie tritt in die SPD ein, was damals höchst ungewöhnlich für eine junge Frau aus wohlhabendem Hause ist. Auch in ihrem weiteren Leben soll sie sich als eigenständig und modern erweisen:

Von dem Schokoladenfabrikanten Gustav Adolf Vordtriede, den sie im Alter von 19 Jahren geheiratet hat, trennt Käthe sich bereits nach wenigen Jahren wieder. 1922 siedelt sie mit ihren beiden Kindern aus Westfalen nach Baden um. Nachdem sie zunächst als Sekretärin an der Freiburger Universität gearbeitet hat, wird die allein erziehende Mutter als Redakteurin bei der sozialdemokratischen Zeitung 'Volkswacht' tätig. In zahlreichen Artikeln schreibt sie gegen die Nazis an, die ihrerseits immer wieder gegen ihre Berichterstattung vor Gericht ziehen. Darüber hinaus betätigt sie sich politisch, kandidiert 1925 - zwar erfolglos - für den Badischen Landtag und engagiert sich bei der Arbeiterwohlfahrt sowie in gleich mehreren Sozialausschüssen.

Als die NSDAP an der Macht ist, verliert Käthe Vordtriede ihre Arbeit. Immer wieder muss sie Hausdurchsuchungen erdulden, mehrfach wird sie inhaftiert. Da sie nicht mehr als Journalistin arbeiten kann, schlägt sie sich zunächst als Aushilfe bei einer Wäscheagentur und dann als Vertreterin für die Firma Sunlicht durch. Nach einer Intervention durch die SA verliert sie jedoch auch diese Arbeit.

Angesichts der Novemberpogrome 1938 wird Käthe Vordtriede endgültig klar, dass sie nicht nur wegen ihrer politischen Aktivitäten verfolgt wird, sondern dass ihr auch und vor allem aufgrund ihrer jüdischen Herkunft größte Gefahr droht. Sie weiß nun: Der rassistischen Verfolgung kann sie nur entkommen, wenn sie Deutschland verlässt. Ihre Tochter Fränze und ihr Sohn Werner sind schon lange im Exil, als auch Käthe Vordtriede im September 1939 nach vielen Schwierigkeiten endlich über den Badischen Bahnhof in Basel die Flucht in die Schweiz gelingt. Ende 1941 schließlich emigriert sie in die USA. Dort kann sie nie mehr in ihrem Beruf als Journalistin Fuß fassen. Sie arbeitet als Putzfrau, als Hausangestellte, als Ein- und als Verkäuferin, am Fließband und schließlich bei der New Yorker Stadtverwaltung. 1957 erhält sie aus Deutschland eine Wiedergutmachung. Der seelische Schaden, den sie erlitten hat, sowie der Verlust jeglicher beruflicher Perspektive sind nicht wieder gut zu machen. (ga)

Factbox

Zur Person

1891

geboren in Herford/Westfalen

1922

Umzug von Westfalen nach Südbaden

1924-1933

Lokalredakteurin bei der Freiburger Volkswacht

1925

Kandidatur für den Badischen Landtag

1933-1939

"innere Emigration"

1939-1941

Exil in der Schweiz

Seit 1941

Exil in den USA

1964

gestorben in New York City

Text

Ich bin irre geworden an der Aufklärungsarbeit am deutschen Volke. (Käthe Vordtriede 1939)

Text

Ohne Hass, Hetze und Mord, ohne einen 'Feind', kann sich eine Diktatur nicht halten. (Käthe Vordtriede 1939)