Titel

Gerhard Caemmerer

1905-1961

Zwischenüberschrift

Der spätere Staranwalt unterstützt Verfolgte des NS-Regimes und versteckt drei Menschen in seiner Gartenhütte.

Text

1905 als Sohn eines Karlsruher Hochschulprofessors geboren, wächst Gerhard Caemmerer in Durlach auf. 1924 beginnt er an der Universität Köln ein Jurastudium, das er 1932 in Heidelberg abschließt. Während der Studienzeit lernt er seine spätere Frau, die zehn Jahre ältere Witwe Grete Meier, kennen, die bereits einen Sohn in die Beziehung einbringt. 1931 kommt eine gemeinsame Tochter zur Welt, in den Jahren darauf zwei weitere Töchter. 1932 wird Caemmerer als Assessor im Badischen Justizministerium in Karlsruhe angestellt, 1933 erfolgt seine Versetzung ans Amtsgericht Durlach.

Bereits unmittelbar nach der NS-"Machtergreifung" 1933 beginnt Caemmerer rassistisch verfolgten Menschen zu helfen. So gewährt er etwa seinem Freund und Kollegen Karl Eisemann, als dieser wegen seiner jüdischen Herkunft sowie seines politischen Engagements aus dem Staatsdienst entlassen wird, finanzielle Unterstützung.

1939 gründet Caemmerer mit einigen Gleichgesinnten einen Oppositionskreis, in dem heimlich über eine Neugestaltung Deutschlands nach dem Ende der NS-Diktatur diskutiert wird. Zur Tarnung seiner Aktivitäten der NSDAP beigetreten, ist er mittlerweile zum Amtsrichter aufgestiegen. Auch in dieser beruflichen Funktion setzt er sich für bedrängte Menschen ein, indem er beispielsweise 1941 verhindert, dass das Vermögen eines rassistisch verfolgten Mannes beschlagnahmt wird.

Um sie vor der Deportation ins KZ Theresienstadt zu bewahren, versteckt Caemmerer Karl Eisemann sowie die Geschwister Renate und Rudolf Kahn vom Februar 1945 bis zur Eroberung Karlsruhes durch französische Truppen im April 1945 in einer Gartenhütte am Durlacher Turmberg. An der schwierigen Versorgung der Verfolgten mit Lebensmitteln sind auch andere Helfer beteiligt, Caemmerers Kinder bringen die Essenspakete zur Hütte.

Wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP wird Caemmerer nach dem Ende des NS-Regimes zunächst aus dem Justizdienst entlassen, später jedoch rehabilitiert. 1947 gründet er eine Anwaltskanzlei, die schon bald einen exzellenten Ruf genießen soll. Unter anderem verteidigt er 1956 gemeinsam mit seinem Stiefsohn Hans den wegen Landesverrats angeklagten ersten Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Otto John.

1961 stirbt Gerhard Caemmerer im Alter von nur 55 Jahren. Von seinem Engagement für Verfolgte während der NS-Zeit erfährt die Öffentlichkeit erst wesentlich später. (al)

Factbox

1905

geboren in Durlach

1924-1932

Studium der Rechtswissenschaft in Köln und Heidelberg und Promotion

1932

Assessor im badischen Justizministerium, ab 1933 am Amtsgericht Durlach

Seit 1933

Unterstützung von rassistisch Verfolgten

1939

Begründung eines oppositionellen Kreises in Karlsruhe

1945

Beherbergung von drei verfolgten Menschen in seiner Gartenhütte

1947

Gründung einer Anwaltskanzlei in Karlsruhe

1956

Verteidigung des ehemaligen Widerstandskämpfers Otto John

1961

gestorben in Karlsruhe

Text

Ihr müsst wissen, dass ihr in der Schule angelogen werdet, unser Land wird von Verbrechern regiert. (Gerhard Caemmerer 1939 zu seinen Töchtern)